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LGBT-Pride
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LGBT-Pride, auch Gay-Pride oder einfach nur Pride, ist ein englischer Begriff, der aus der amerikanischen Lesben- und Schwulenbewegung stammt und international ĂŒbernommen wurde. Er beschreibt den selbstachtenden und damit stolzen Umgang mit der eigenen sexuellen IdentitĂ€t. Stolz wird dabei im Sinne eines gegenĂŒber anderen gezeigten SelbstwertgefĂŒhls verwendet,cite-ref-1[1] das heiĂt, so zu sein, wie man ist, sich nicht vor anderen verstecken oder sich fĂŒr andere verstellen zu wollen und gegebenenfalls fĂŒr seine Rechte einzutreten.
Pride wird auch als Kategorie oder Namenszusatz fĂŒr Publikationen und Veranstaltungen verwendet, die dieses Selbstbewusstsein politisch oder kulturell öffentlichkeitswirksam ausdrĂŒcken. Am bekanntesten sind die Pride-Paraden, bei denen in DemonstrationszĂŒgen Sichtbarkeit fĂŒr LGBT geschaffen werden soll. Auch Filmfestivals, Partys, Sit-ins, Mahnwachen und Community-Veranstaltungen finden im Sinne von Pride statt. Durch den Begriff sind auch die Mad-Pride- und die Disability-Pride-Bewegung inspiriert. Die Regenbogenflagge ist das gĂ€ngigste Symbol fĂŒr Pride.
Contents
âą Bedeutung
âą Studien
âą Veranstaltungen
âą Ăbersetzungen
âą Vor Stonewall
âą Nach Stonewall
âą Beginn in Europa
âą Besondere Prides
âą Cologne Pride
âą Europride
âą World Pride
âą Debatte
âą Gegenproteste
âą Siehe auch
âą Weblinks
âą Belege
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Bedeutung
Pride soll das GefĂŒhl ausdrĂŒcken, wenn LGBT-Personen selbstbewusst mit ihrer sexuellen Orientierung und ihrer sexuellen IdentitĂ€t umgehen und ihr âAndersseinâ (gemessen an der HeteronormativitĂ€t) akzeptieren, anstatt es als Last zu sehen. Pride sei dabei eine Reaktion auf die HeteronormativitĂ€t der Gesellschaft, in der alle sexuellen Orientierungen auĂer HeterosexualitĂ€t als etwas angesehen wĂŒrden, fĂŒr das man sich zu rechtfertigen und zu schĂ€men habe.cite-ref-sullivan-2-0[2]cite-ref-weinbergch-3-0[3] So kam es zu Redewendungen wie âGay is good.â Dieses Empowerment war eine Voraussetzung fĂŒr die Emanzipationsbewegung.cite-ref-4[4] Der Begriff soll dabei nicht Hochmut ausdrĂŒcken, sondern ein Gegenteil zu Scham bilden, in die nicht-heterosexuelle Menschen oft gezwĂ€ngt wĂŒrden, und Selbstachtung ausdrĂŒcken.
Scham und Stolz sind stark mit der Selbstwertregulation und der Interaktion mit der Umwelt verbunden. âGefĂŒhle des Stolzes verbinden uns mit anderen Menschen, lassen uns kompetent, geliebt und bewundert erscheinen. Wir fĂŒhlen uns als ein Mitglied der Gesellschaft, als dazugehörig, wollen uns zeigen. Im Gegensatz dazu isolieren SchamgefĂŒhle uns von anderen, wir fĂŒhlen uns inkompetent, schwach, schmutzig und klein. Aufgrund dieser Scham/Stolz-Achse entscheiden wir, ob wir unserem persönlichen Ich-Ideal nĂ€her gekommen sind, ob wir die Diskrepanz zwischen Ideal und Ich vermindern konnten.âcite-ref-5[5]
âGay Pride ist ein GefĂŒhl starker Selbstachtung, verbunden mit der öffentlichen BestĂ€tigung der HomosexualitĂ€t einer Person.â
â
Canadian Oxford Dictionary
:
seit 2004
Pride findet je nach gesellschaftlichem Kontext unterschiedliche Auslebungen und Ausdrucksformen.cite-ref-7[7] Nikki Sullivan analysiert das Lied I Am What I Am, das zu einer Hymne der LGBT-Bewegung wurde, als Ausdruck von Pride.cite-ref-sullivan-2-1[2] In dem Lied geht es darum der zu sein, der man ist, seine eigene, individuelle Persönlichkeit und dass man dafĂŒr keine Entschuldigung braucht.
Ein berĂŒhmter Ausspruch, der sowohl durch das Statement selbst als auch durch die UmstĂ€nde Gay Pride beinhaltet, ist Klaus Wowereits âIch bin schwul, und das ist auch gut so.â Die Thematisierung war notwendig geworden, um einer sich abzeichnenden Thematisierung durch Medien oder gar einer EnthĂŒllungskampagne zuvorzukommen.cite-ref-8[8] âIst das Bekenntnis âIch bin schwul!â noch als Bitte um Anerkennung zu lesen, so liegt im Nachsatz âund das ist auch gut so!â auch eine Absage an diese Bitte.âcite-ref-weinbergch-3-1[3]
Studien
Martin Dannecker befragte zwischen 1971 und 1974 MĂ€nner aller Altersklassen (d. h. das Ereignis fand ca. zwischen 1930 und 1970 statt), wie sie sich gefĂŒhlt haben, als sie sich zum ersten Mal sicher waren, schwul zu sein (Inneres Coming-out). Dieselbe Frage wurde schwulen Jugendlichen zwischen 1998 und 2001 per Papierfragebogen und Internet gestellt. Mehrfachnennungen waren jeweils möglich. Dabei zeigte sich, dass GefĂŒhle von Angst und Sorge noch immer eine Rolle spielen, aber positive GefĂŒhle heute eine gröĂere Bedeutung haben. Im neuen Sample zeigte sich auch, dass wenn man positive und negative Antworten summierte, bei Teilnehmern ĂŒber 20 Jahren die negativen Antworten ĂŒberwogen und bei Teilnehmern bis 20 Jahre die positiven. Möglich wurde dies durch die Errungenschaften der Lesben- und Schwulenbewegung.cite-ref-slfm-9-0[9]
| | Dannecker (1971/74) (%) | SLFM (1998/2001) (%) |
|---|---|---|
| fĂŒrchtete mich vor der Zukunft | 34 | 43 |
| war beunruhigt | 45 | 38 |
| war froh | 11 | 26 |
| war glĂŒcklich | 17 | 26 |
| war stolz | 0 4 | 22 |
| dachte, Sex mit MĂ€nnern ist falsch | 25 | 11 |
| fĂŒhlte mich schuldig | 16 | 0 8 |
Veranstaltungen
Seit Beginn der neuen Schwulen- und Lesbenbewegung ab 1969 werden in englischsprachigen LĂ€ndern auch Veranstaltungen, die offen dieses SelbstwertgefĂŒhl zeigen, offen homosexuelles Leben zeigen oder thematisieren, immer wieder als Gay Pride bezeichnet. So wurde 1970 in London die erste Demonstration Gay Pride March genannt und in New York wurde Gay Pride und Pride Week als Sammelbezeichnung fĂŒr die Veranstaltungen rund um den Christopher Street Gay Liberation Day March verwendet. Durch LektĂŒre und internationale Kommunikation und Tourismus entwickelte sich Gay Pride zu einem Internationalismus und wird fĂŒr viele Veranstaltungen â zumindest als internationaler Zusatzname â verwendet. So gibt es etwa den San Francisco Pride, den Cologne Pride oder den Moscow Pride.
AuffĂ€lligste und publikumswirksamste Veranstaltungen sind Demonstrationen, die sogenannten Pride-Paraden. Von Beginn an gibt es oft auch weitere Veranstaltungen, meist in den Tagen vor der Parade. Dabei handelt es sich um ein unterschiedliches Spektrum von VortrĂ€gen, Kongressen, Ausstellungen, Kulturveranstaltungen, Partys und auch Gottesdiensten, sofern diese nicht, wie beispielsweise in Bayern 2006 durch die katholische Kirche, von der Religionsgemeinschaft untersagt werden.cite-ref-10[10] Ăblicherweise dauern solche Veranstaltungsreihen 3 Tage, eine Woche, 2 Wochen oder einen Monat lang und werden entsprechend Gay Pride Days, Gay Pride Week(s), Gay Pride Month oder Pride Month genannt. Auf der nördlichen Welthalbkugel finden sie meist im Mai bis August statt, in der sĂŒdlichen HemisphĂ€re oft von September bis Mai.
Es finden auch Filmfeste, Ferienwochen, Sportveranstaltungen, BĂ€lle und anderes statt. Kommerz sollte nach der Meinung vieler nicht im Vordergrund stehen, sondern maximal als Mittel zum Zweck genutzt werden, etwa als Sponsorenwerbung bei Veranstaltungen. Auf jeden Fall sollte es nicht der Hauptantrieb oder gar alleiniger Antrieb fĂŒr solche Veranstaltungen sein. Starke Gegner einer Kommerzialisierung der Parade haben in Berlin den Transgenialen CSD ins Leben gerufen.
Die Organisation InterPride beantwortet die Frage, was eine Pride-Veranstaltung sei, wie folgt:
âEine Parade, Kundgebung, ein Marsch, Festival, Kunstfestival, eine kulturelle AktivitĂ€t oder andere Veranstaltungen/AktivitĂ€ten, die fĂŒr Menschen organisiert werden, die sich als Lesben oder Schwule und/oder Bisexuelle und/oder Transgender identifizieren und die öffentliche Wahrnehmung fördern und/oder fĂŒr die Rechte bzw. Existenz dieser Menschen einstehen, sowie an den Stonewall-Aufstand oder Ă€hnliche historische Begebenheiten/jĂ€hrliche oder regelmĂ€Ăig stattfindende Festivals erinnern und von einer Pride-Organisation organisiert werden. Eine Pride-Organisation ist eine Organisation ohne Erwerbscharakter, die hauptsĂ€chlich zum Zweck hat, Pride-Veranstaltungen zu organisieren.â
â
InterPride-FAQ
:
Ăbersetzungen
Gay bedeutet ursprĂŒnglich lebenslustig und wird jetzt im Englischen auch fĂŒr die Bedeutungen homosexuell (mĂ€nnlich wie weiblich) und schwul verwendet. So ist beispielsweise die Bezeichnung âgay womenâ korrekt und wird immer wieder verwendet, im Gegensatz zur âschwulen Frauâ in der heutigen deutschen Sprache. Somit ist derzeit eine reine Ăbersetzung als âschwuler Stolzâ und âSchwulenparadeâ nicht immer sachlich korrekt.
ZusĂ€tzlich hat der Sachverhalt des Stolzes in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedliche Wertigkeiten, auch wenn meist ein philosophischer Diskurs um Hochmut, Stolz, Ehre, Demut, Scham etc. stattfindet, und die jeweiligen Begriffe haben aus semasiologischer Sicht einen unterschiedlichen Umfang und unterschiedliche Konnotation. Tendenziell wird im englischsprachigen Raum mit positiverer Wertung von pride gesprochen, als im deutschen Sprachraum von Stolz.cite-ref-ziemer-12-0[12] Diese Wertung im Englischen zeigt sich auch in der Verwendung innerhalb verschiedener Namen, wie beispielsweise Pride of Africa, Pride of Baltimore, Pride of America, New Jersey Pride, PRIDE FC, Pride Air, Pride Park und das Pride Park Stadium oder Pee Dee Pride, die es im Deutschen nur in Ăbersetzungen gibt. Die spanisch- bzw. portugiesischsprachige Community konnte sich direkt mit dem Begriff des Stolzes (Orgullo / Orgulho) anfreunden, kennt als Ăbersetzung von Gay Pride Orgullo gay / Orgulho gay und so gibt es in mehreren LĂ€ndern Demonstrationen mit Namen wie Marcha del Orgullo LGTB / Parada do Orgulho LGBT. Im Französischen wird Stolz als FiertĂ© bezeichnet, enthĂ€lt aber nicht die Bedeutung von Hochmut (Orgueil). Gay Pride wird mit FiertĂ© gaie ĂŒbersetzt und es gibt seit 2001, nachdem Pride aus markenrechtlichen GrĂŒnden nicht mehr verwendet wird, den La Marche des fiertĂ©s lesbiennes, gaies, bi et trans.
Gay Pride bedeutet wörtlich ĂŒbersetzt meist homosexueller Stolz oder zielgruppengerechter lesbisch-schwuler Stolz, manchmal auch nur schwuler Stolz. Es wird jedoch eher selten auf diese Art ĂŒbersetzt, meist nur als wörtliche ErklĂ€rung oder zur Hervorhebung. Eine Gay-Pride-Parade ist in dem Sinn eine âParade homosexuellen/lesbisch-schwulen Stolzesâ oder auch eine âParade von stolzen Schwulen und Lesbenâ. Die Ăbersetzung âhomosexuelle/schwule Stolz-Paradeâ hĂ€tte eine vom Sinn abweichende Konnotation. Die Bedeutung treffender gibt âParade homosexueller/lesbisch-schwuler Selbstachtungâ wieder. Als Kompositum gebildete Veranstaltungsnamen mit diesem Begriff werden selten ins Deutsche ĂŒbersetzt. Im deutschen Sprachraum hat sich als neben dem Internationalismus der Begriff Christopher Street Day (CSD) etabliert, in Ăsterreich ist es die Regenbogenparade.
Wenn der Sachverhalt bezeichnet werden soll, so ist es manchmal aus onomasiologischer Sicht zielfĂŒhrender zusammen mit den Begriffen homosexuell, schwul-lesbisch, transgender oder queer die Begriffe Selbstbewusstsein, Selbstwert, SelbstwertgefĂŒhl oder Selbstachtung zu verwenden. Auch können die Begriffe der Personengruppe zugeschrieben werden, also beispielsweise âdie Selbstachtung der Schwulen und Lesbenâ.
In Agenturmeldungen wird beispielsweise jĂ€hrlich aus der Parada do Orgulho GLBT de SĂŁo Paulo (wörtlich: âParade des Stolzes der schwulen, lesbischen, bisexuellen und transgeschlechtlichen Menschen von Sao Pauloâ, besser: âParade des schwulen, lesbischen, bisexuellen und transgeschlechtlichen Stolzes von Sao Pauloâ), der inzwischen weltweit gröĂten Parade, ĂŒber die englische Selbstbezeichnung LGBT Pride Parade (dieselbe Bedeutung) und die international ĂŒblichen Standards Gay Pride Parade, SĂŁo Paulo Gay Pride oder SĂŁo Paulo Gay Parade (âSchwule / Lesben / Lebenslustigeâ) die âSchwulenparadeâ.cite-ref-13[13] Auch in den Berichten werden dann oft die Lesben und noch öfter Bisexuelle und die â gerade in Brasilien in groĂer Zahl sichtbaren â transgeschlechtlichen Menschen ĂŒbergangen.
Vor allem in antihomosexuellen Kreisen wird es gerne Schwulenstolz oder Homosexuellenstolz ĂŒbersetzt und hat dadurch derzeit eine stark negative Konnotation. Ganz eindeutig abwertend zynisch ist die Form Schwulenstolz-Aufmarsch. Lesbenstolz kommt in diesem Zusammenhang nie vor, da sie aus verschiedensten GrĂŒnden weniger angefeindet sind. Dadurch, dass gay im Englischen auch fröhlich bedeutet, wurde frĂŒher Gay Pride Parade auch schon mal als âParade des Stolzes und des Frohsinnsâ ĂŒbersetzt, was nicht unbedingt der Intention entspricht.cite-ref-14[14]
Historischer Hintergrund
Vor Stonewall
Auch wenn er kein offen Schwuler im heutigen Sinn war, hat sich aus dem Jahre 1726 die Aussage eines der âSodomieâ Beschuldigten erhalten, der sich nicht schĂ€mte. William Brown wurde am Moorfields, einem offenen Platz und damaligen Cruising-Gebiet in London, verhaftet. In seiner Befragung war er auf die Frage, warum er sich so unanstĂ€ndige Freiheiten mit einem anderen Mann erlaubt habe ânicht beschĂ€mt zu sagenâ: âI did it because I thought I knew him, and I think there is no Crime in making what use I please of my own Body.â (âIch tat es, weil ich meinte, ihn zu kennen, und ich glaube, es ist kein Verbrechen, meinen Körper so zu verwenden, wie ich will.â)cite-ref-15[15]
Ende des 19. Jahrhunderts begann in Deutschland die erste Welle der Schwulenbewegung. Besonders die 1920er-Jahre boten relativ viel Freiheit (âGoldene Zwanzigerâ). Schon in der ersten, noch etwas melancholischen und mehr auf die Zukunft weisenden Hymne der Homosexuellen aus dem Jahre 1920, dem Lila Lied, heiĂt es in einer Zeile: âUnd dennoch sind die Meisten stolz, daĂ sie von anderâm Holz!â Denn man ist anders als die Anderen, die nur im âGleichschritt der Moralâ lieben. Diese sind zwar neugierig auf alles AuĂergewöhnliche, aber letztendlich gibt es fĂŒr sie nur âdas Banaleâ. Zum Schluss spricht es als Zukunftsvision: âDann haben wir das gleiche Recht erstritten, wir leiden nicht mehr, sondern sind gelitten!â Auch in den USA gab es Nischen, wo Homosexuelle sich relativ frei bewegen konnten. In den 1930er-Jahren begann die Gesellschaft auf beiden Seiten des Atlantiks wieder konservativer zu werden (vgl. Hays Code und McCarthy-Ăra); auch im nationalsozialistischen Deutschland wurden Homosexuelle erneut Opfer von Verfolgung. Die Entwicklung zu Ungunsten der Homosexuellen hielt bis in die 1960er-Jahre an.
Lesben und Schwule sahen sich frĂŒher durch internalisierte Homophobie oft selbst als krank und minderwertig an. Sie versuchten oft nicht aufzufallen, ihre homosexuellen Facetten heimlich zu Hause oder in der Nacht zu leben, um möglichst keine Repressionen zu erfahren. Die organisierte Bewegung der 1940er- bis 1960er-Jahre wird auch Homophilenbewegung genannt. Man wollte sich gegenĂŒber der Mehrheitsgesellschaft so weit wie möglich anpassen, buhlte vorsichtig um Toleranz und hoffte irgendwann doch Erfolg zu haben. Der Kreis (1943â1967) verstand sich beispielsweise als Zeitschrift der âhomophilen Sacheâ. Die Autoren schrieben alle unter Pseudonymen und es wurden auch Feste gefeiert, die nur den Eingeweihten bekannt warencite-ref-dannecker-16-0[16] und wo man sich mit reellen oder erfundenen Rufnamen ansprach.
âEs geht nicht nur um eine Anerkennung von Seiten der Bevölkerung, sondern es geht um unser Verhalten unter uns. Wir wollen keine anonymen Vereine! Wir wollen eine gemeinsame Aktion, damit wir uns kennen lernen und uns gemeinsam im Kampf fĂŒr unsere Probleme nĂ€herkommen und uns lieben lernen.â
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Martin Dannecker
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Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt
, Deutschland 1971
In den USA fand am 19. September 1964 die erste öffentliche Demonstration fĂŒr die Rechte von Homosexuellen nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Vor dem US Army Induction Center in der Whitehall Street in New York City hielten zehn MĂ€nner und Frauen (vier Homosexuelle und sechs heterosexuelle UnterstĂŒtzer) eine Mahnwache ab gegen die Ausmusterung und unehrenhafte Entlassung von Homosexuellen. UnterstĂŒtzt wurde die Veranstaltung von der Sexual Freedom League. Am 17. April 1965 demonstrierten erstmals zehn Mitglieder der Mattachine Society of Washington (MSW) öffentlich vor dem WeiĂen Haus gegen die Diskriminierungen in Kuba und in den USA. Dem Mainstream der Homophilenbewegung war dieser öffentliche Protest nicht Recht, da sie nachteilige Publicity und gröĂere Feindseligkeiten befĂŒrchteten. FĂŒr die Protestierer war es ein Erfolg, als die dritte Konferenz der East Coast Homophile Organization (ECHO) im Mai 1965 ihre Taktik befĂŒrwortete und zusagte, eine Reihe von Mahnwachen zu unterstĂŒtzen. 1965 fanden noch sechs weitere Demonstrationen in Washington statt, die dank besserer Vorbereitung mehr ErwĂ€hnung in den Medien fanden.
Am UnabhĂ€ngigkeitstag, dem 4. Juli 1965, demonstrierten vor der Independence Hall in Philadelphia rund 50 Personen der MSW, der Mattachine of New York (MSNY) und der Daughters of Bilitis um die Ăffentlichkeit daran zu erinnern, dass einer groĂen Gruppe von BĂŒrgern gleiche Rechte verwehrt werden, wie sie inklusive âlife, liberty and the pursuit of happinessâ (âLeben, Freiheit und Streben nach GlĂŒckâ) in der UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung erwĂ€hnt werden. Es gab Meldungen im Regionalfernsehen und eine kleine Notiz auf der ersten Seite der Regionalzeitung. Aus der Mahnwache wurde der Annual Reminder Day (âJĂ€hrliche Erinnerungstagâ), der zuletzt 1969 kurz nach Stonewall mit 150 Teilnehmern abgehalten wurde und 1970 aufgegeben wurde um den ersten Christopher Street Liberation Day zu unterstĂŒtzen. Die letzte Mahnwache in Washington fand am 3. Sonntag im Mai 1966 (Armed Forces Day) statt.cite-ref-nichols-17-0[17]cite-ref-pickets-18-0[18]
Von der ersten Mattachine-Demonstration an galt die von Franklin E. Kameny, dem Kopf MSW, ausgegebene Parole: âWenn man fĂŒr gleiche Angestelltenrechte kĂ€mpft, dann sollte man anstellbar ausschauen.â Also trugen alle Damen Röcke und alle Herren Anzug und Krawatte. Die Demonstrationen gingen sehr brav und gesittet vor sich. Man marschierte eine Zeit lang im GĂ€nsemarsch im Kreis und hielt seine Schilder hoch. Hand in Hand zu gehen wĂ€re undenkbar gewesen, denn man wollte sich ja so zeigen, wie es sich die Gesellschaft wĂŒnscht.cite-ref-nichols-17-1[17]cite-ref-pickets-18-1[18] Diese sehr zurĂŒckhaltende Demonstrationskultur stach auch gegenĂŒber den anderen Demonstrationen der Black-Power- und BĂŒrgerrechtsbewegung und vor allem der Antikriegsbewegung gegen den Vietnamkrieg heraus. In GroĂbritannien war man auch schon ein wenig politisch, ebenso in den Niederlanden und in DĂ€nemark, im deutschen Sprachraum waren dies nur vereinzelte Personen, 1969 konnten in Deutschland die ersten Homophilen-Organisationen gegrĂŒndet werden.
âDa die Schwulen vom SpieĂer als krank und minderwertig verachtet werden, versuchen sie noch spieĂiger zu werden, um ihr SchuldgefĂŒhl abzutragen mit einem ĂbermaĂ an bĂŒrgerlichen Tugenden. Sie sind politisch passiv und verhalten sich konservativ als Dank dafĂŒr, dass sie nicht totgeschlagen werden.â
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Martin Dannecker
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Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt
, Deutschland 1971
Die erste studentische Organisation formte sich in den Vereinigten Staaten mit der Student Homophile League (SHL) im Oktober 1966 an der Columbia University in New York und wurde von Robert A. Martin, Jr. (besser bekannt als Stephen Donaldson) gegrĂŒndet, welcher seit FrĂŒhjahr 1965 Mitglied der MSNY war und den Sommer 1966 bei Kameny in Washington verbrachte. Nachdem prominente StudentenfĂŒhrer zustimmten Mitglied zu werden, konnte der UniversitĂ€tsleitung die geforderte Mitgliederliste ĂŒbergeben werden und die Gruppe wurde im April 1967 offiziell anerkannt. Am 1. Mai 1967 schrieb die New York Times auf der Titelseite: âColumbia Charters Homosexual Groupâ. Im selben Jahr folgten SHLs an der New York University und der Cornell University. Im Herbst 1968 wurde die Gruppe FREE an der University of Minnesota gegrĂŒndet und fiel innerhalb der ECHO als radikale Kraft auf. 1968 schwand der ideologische Einfluss von Kameny und Donaldson, die Studentengruppen wurden bestimmender und es wurde formuliert, was man heute die âGay-Liberation-Doktrinâ nennt. Ab FrĂŒhjahr 1969 veranstalteten die Studentenorganisationen integrative Tanzveranstaltungen, um sich selbst zu sponsern.cite-ref-19[19]
Nach Stonewall
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Hauptartikel
:
Stonewall
In der Nacht von Freitag, dem 27. Juni, auf Samstag, dem 28. Juni 1969, fand ab halb zwei Uhr morgens im Stonewall Inn in der Christopher Street in Greenwich Village eine der ĂŒblichen Razzien statt, ungewöhnlich war die spĂ€te Stunde. Nachdem die Besucher sich wie ĂŒblich in einer Reihe aufgestellt hatten, die ĂŒbliche IdentitĂ€tskontrolle stattgefunden hatte und sie nacheinander das Lokal verlassen konnten, gingen viele jedoch nicht nach Hause, sondern blieben vor dem Lokal stehen und Vorbeikommende gesellten sich dazu. Einzelne Verhaftete (Angestellte, Menschen in geschlechtsuntypischer Kleidung und Menschen ohne Ausweis) wehrten sich gegen ihren Abtransport. Es kam das GerĂŒcht auf, dass das ĂŒbliche Schmiergeld nicht bezahlt worden wĂ€re. Die Menschen warfen Pennys auf die Polizisten und ihre Wagen, woraus Flaschen und Ziegelsteine wurden. Die Menschen wollten nicht mehr Opfer der Gesellschaft sein und die ihnen zugedachte Rolle spielen. Die Ereignisse eskalierten und es kam zur offenen Rebellion. âGay Power!â war eine Devise dieser Tage. Sehr zum Missfallen Ă€lterer Schwuler und der Mitglieder der Mattachine (MSNY) war dabei auf offener StraĂe auch provokant tuntiges und effiminiertes Verhalten sichtbar. In der ersten Nacht formierte sich gegenĂŒber einer Reihe von Polizisten mit Schlagstöcken eine mĂ€nnliche âKick-lineâ. (Eine Reihe von Showgirls, eine Chorus Line, die Ă€hnlich wie beim Cancan jeweils einen FuĂ in die Luft werfen.) Es wurden aber ebenso Demonstranten, welche von den Polizisten gefangen genommen wurden, wieder âzurĂŒckerobertâ und befreit.cite-ref-20[D 1]cite-ref-21[C 1] Die Polizisten waren ĂŒberrascht, dass die Schwulen sich wehrten. Denn bis dahin waren es bequeme Verhaftungen, die keine Probleme bereiteten und die Statistik positiv beeinflussten.cite-ref-22[20]
Der damals 43-jĂ€hrige Dichter Allen Ginsberg lebte in der Christopher Street. Als er hörte, was in der Nacht passiert war, meinte er: âGay power! Isnât that great! ⊠Itâs about time we did something to assert ourselves.â (âSchwule Kraft! Ist das nicht groĂartig! ⊠Es war an der Zeit, dass wir etwas getan haben um uns zu behaupten.â) Am Abend besuchte er erstmals das Stonewall Inn, und auf dem Nachhauseweg sagte er zu dem spĂ€teren Drehbuchautor (Rush of Fear) Lucian Truscott, einem Journalisten der Zeitung The Village Voice: âYou know, the guys there were so beautiful â theyâve lost that wounded look that fags all had 10 years ago.â (âWeiĂt du, die Jungs da waren so schön â sie haben den verletzten Blick verloren, den alle Schwuchteln vor 10 Jahren hatten.â)cite-ref-23[T 1] Die Unruhen gingen in der Nacht vom 28. auf Sonntag, den 29. Juni weiter. Am Montag, dem 30. Juni und Dienstag, dem 1. Juli regnete es und es kam nur zu vereinzelten Aktionen.
Stonewall war ein Wendepunkt und wird als Beginn der modernen Schwulen- und Lesbenbewegung und somit auch des modernen lesbisch-schwulen SelbstverstĂ€ndnisses und âQueernessâ angesehen. Kay Lahusen, welche 1965 die Mahnwachen fotografiert hatte, spezifizierte: âUp to 1969, this movement was generally called the homosexual or homophile movement ⊠Many new activists consider the Stonewall uprising the birth of the gay liberation movement. Certainly it was the birth of gay pride on a massive scale.âcite-ref-24[L 1] (âBis 1969 wurde diese Bewegung generell Homosexuellen- oder Homophilenbewegung genannt ⊠Viele neue Aktivisten betrachten den Stonewallaufstand als Geburtsstunde der Schwulenbefreiungsbewegung. Gewiss war es die Geburtsstunde schwulen und lesbischen Stolzes gewaltigen AusmaĂes.â) Am 4. Juli 1969 wurde der letzte Annual Reminder Day in Philadelphia abgehalten. Nach Erinnerung von Craig Rodwell, BegrĂŒnder des Oscar Wild Bookshops, fĂŒhlte er sich in diesem Jahr durch Kamenys Regeln eingeengt. Als sich zwei Frauen spontan bei der Hand nahmen, trennte sie Kameny mit den Worten âNone of that! None of that!â (âNicht so etwas!â) Trotzdem kann sich Rodwell letztendlich an etwa zehn Paare erinnern, die sich an den HĂ€nden hielten. Sie machten Kameny wĂŒtend, aber es gab auch mehr Medienberichterstattung als bei den vorangegangenen Demonstrationen.cite-ref-carter216-217-25-0[C 2]cite-ref-duberman210-26-0[D 2] Lilli Vincenz erinnert sich: âIt was clear that things were changing. People who had felt oppressed now felt empowered.âcite-ref-carter216-217-25-1[C 2] (âEs war klar, dass sich die Dinge verĂ€ndern. Menschen die sich unterdrĂŒckt gefĂŒhlt hatten, fĂŒhlten sich jetzt ermĂ€chtigt.â)
Die Mattachine wĂŒrdigte die VerĂ€nderungen im Verhalten in der Juli-Ausgabe ihres Newsletters mit einem Artikel unter dem Titel: âThe Hairpin Drop Heard Around the World.âcite-ref-lafrank17-27-0[L 2] (âDas Fallenlassen der Haarnadel, welches in der ganzen Welt gehört wurde.â Der Ausdruck âHairpin dropâ war schwuler Jargon und bedeutete ĂŒber die sexuelle Orientierung von jemandem Hinweise fallen zu lassen.cite-ref-lafrank17-27-1[L 2]) Die Methoden der Mattachine waren jenen, die durch die AufstĂ€nde inspiriert wurden, zu mild. Als vorgeschlagen wurde eine âamicable and sweetâ (ârĂŒcksichtsvolle und sĂŒĂeâ) nĂ€chtliche Kerzendemonstration zu veranstalten rief ein Mann aus dem Publikum: âSweet! Bullshit! Thatâs the role society has been forcing these queens to play.âcite-ref-teal19-28-0[T 2] (âSĂŒĂ! Schwachsinn! Das ist die Rolle, welche die Gesellschaft den Tunten aufdrĂ€ngte.â) Durch ein Flugblatt, welches verkĂŒndete: âDo You Think Homosexuals Are Revolting? You Bet Your Sweet Ass We Are!âcite-ref-teal19-28-1[T 2] (âGlaubst du, die Homosexuellen rebellieren? Darauf kannst du deinen sĂŒĂen Hintern verwetten!â) kam es bald zur Formierung der Gay Liberation Front (GLF). Sie war die erste Organisation, welche das verpönte Wort âGayâ in ihrem Namen trug, im Gegensatz zu vielen frĂŒheren homophilen Organisationen, welche ihre Absicht verschlĂŒsselten, indem sie undurchsichtige Namen verwendeten.cite-ref-29[N 1] Der Anstieg von Kampfgeist wurde offenbar, als die jahrelangen Homophilen-Aktivisten Frank Kameny und Barbara Gittings bei einem GLF-Treffen aufkreuzten um sich die neue Gruppe anzuschauen. Ein junges Mitglied fragte die beiden wer sie seien und was ihre Referenzen seien, worauf Gittings verblĂŒfft stammelte: âIâm gay. Thatâs why Iâm here.âcite-ref-30[21] (âIch bin gay. Darum bin ich hier.â) Innerhalb von sechs Monaten nach dem Aufstand wurde die stadtweite Zeitung Gay gegrĂŒndet. Dies war als notwendig erachtet worden, nachdem die liberalste Zeitung der Stadt, The Village Voice, sich wegen des Wortes âGayâ weigerte eine Anzeige der GLF zu drucken.cite-ref-31[N 2] Innerhalb von sechs Wochen wurden weitere Zeitungen mit den Titeln Come Out! und Gay Power gegrĂŒndet. Die Leserschaft aller drei Zeitungen stieg schnell auf jeweils 20.000 bis 25.000 Menschen.cite-ref-carter242-32-0[C 3]cite-ref-33[D 3] Die Meetings der GLF waren chaotisch, auch von Kapitalismusdiskussionen durchsetzt, was neben verschiedener anderer Dinge zur Frustration vieler Mitglieder fĂŒhrte. Sie grĂŒndeten im Dezember 1969 die komplett auf Gay-Themen fokussierende und besser organisierte Gay Activists Alliance (GAA). Die Statuten begannen mit den Worten: âWe as liberated homosexual activists demand the freedom for expression of our dignity and value as human beings.âcite-ref-34[N 3] (âWir als emanzipierte homosexuelle Aktivisten fordern freie MeinungsĂ€uĂerung unserer WĂŒrde und Werte als menschliche Wesen.â) Als Taktik wurde âZAPâ entwickelt, die öffentliche Konfrontation von Politikern wĂ€hrend ihrer Pressetermine.cite-ref-35[C 4] Frank Kameny erinnert sich ĂŒber diese Zeit: âBy the time of Stonewall, we had fifty to sixty gay groups in the country. A year later there was at least fifteen hundred. By two years later, to the extent that a count could be made, it was twenty-five hundred.âcite-ref-36[C 5] (âZur Zeit von Stonewall hatten wir 50 oder 60 Gruppen im Land. Ein Jahr spĂ€ter waren da mindestens 1.500. Und zwei Jahre spĂ€ter waren es, soweit man die ZĂ€hlung erweitern konnte, 2.500.â)
Brenda Howard, bekannt als âMother of Prideâ, ist eine frĂŒhe bisexuelle Aktivistin der GLF und der GAA sowie sexpositive Feministin. Sie koordinierte die Gedenkkundgebung zum ersten Monatstag. Unter anderem mit Craig Rodwellcite-ref-37[22] koordinierte sie den Christopher Street Gay Liberation Day March am Sonntag, dem 28. Juni 1970, dem ersten Jahrestag von Stonewall.cite-ref-nyabn1-38-0[23]cite-ref-nyabn2-39-0[24] Die Genehmigung traf erst zwei Stunden vor Abmarsch ein.cite-ref-cled6264-40-0[N 4] Die Demonstration begann mit ein paar hundert Teilnehmern in Greenwich Village, wurde unterwegs ĂŒber die 51 HĂ€userblöcke immer lĂ€nger und endete mit tausenden Teilnehmern im Central Park. Die New York Times berichtete auf der Titelseite, dass die Teilnehmer ĂŒber 15 HĂ€userblöcke hinweg die gesamte StraĂe einnahmen.cite-ref-fosburgh-41-0[25] Wegen der Aufregung und aus Vorsicht vor den nicht vorhersehbaren Reaktionen der Schaulustigen auf die homosexuellen Parolen, dauerte der Marsch nur die HĂ€lfte der vorgesehenen Zeit. Die befĂŒrchteten Gegenaktionen blieben jedoch weitgehend aus.cite-ref-cled6264-40-1[N 4] Proklamiert wurde unter anderem âthe new strength and pride of the gay peopleâ (âdie neue StĂ€rke und der neue Stolz der Schwulen und Lesbenâ).cite-ref-fosburgh-41-1[25] Howard hatte spĂ€ter auch die Idee, weitere Veranstaltungen um den Marsch zu organisieren und eine Pride Week zu veranstalten.cite-ref-nyabn1-38-1[23]cite-ref-nyabn2-39-1[24]
Schon 1970 wurde am selben Tag auch von anderen Gruppierungen Demonstrationen in San Francisco und Los Angeles veranstaltet. Dort wurde der Tag Gay Freedom Day genannt, in Atlanta dann Gay Liberation Day. In Chicago wurde im ersten Jahr (1970) keine Marscherlaubnis erteilt, aber etwa 150 Menschen demonstrierten am Gehsteig marschierend.cite-ref-42[26] Als in immer mehr StĂ€dten in den USA gleichartige Veranstaltungen abgehalten wurden, ĂŒbernahm man meist einen der beiden Namen.
Beginn in Europa
In Europa wurde die erste Demonstration im November 1970 als Fackelzug mit 150 Teilnehmern in London veranstaltet.cite-ref-bbc-2022-43-0[27] Als zwei Jahre spÀter etwa 2000 Menschen durch die Oxford Street zum Hyde Park zogen, wurde es erstmals Gay Pride March genannt.cite-ref-bbc-2022-43-1[27]cite-ref-44[28]
In Deutschland fiel 1969 mit der Ănderung des § 175 das Totalverbot homosexueller Handlungen. 1971 wurde der provokante Film Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt uraufgefĂŒhrt und im Januar 1972 erstmals im Fernsehen ausgestrahlt, unter anderem gegen den Willen des Hamburger Zweiges der IHWO (Internationale Homophile Welt-Organisation â Gruppe Norddeutschland e. V.), die wegen des darin gezeigten Bildes von mĂ€nnlichen Homosexuellen mehr Schaden als Nutzen befĂŒrchtete.cite-ref-45[29] Homosexuelle wurden noch immer psychiatrisch behandelt, man musste um seinen Job fĂŒrchten und es gab anfangs aus der neuen Bewegung starke Kritik an der kommerziellen Subkultur, deren Lokale meist nur nach Klingelzeichen Einlass gewĂ€hrten. Sie wurde als kommerzielles Sexghetto beschrieben, wo sich der âanpassungswillige KleinbĂŒrger bereitwillig auf das Sexuelle reduzieren lĂ€sst, gesprĂ€chsunfĂ€hig wird, GefĂŒhl und Kommunikation verliert und mit Lust sich selbst gegenĂŒber repressiv verhĂ€lt, obwohl die UnterdrĂŒckung der Gesellschaft lĂ€ngst ihre Wirksamkeit verloren hat.âcite-ref-46[30] Praunheim meinte deshalb: âDie Situation, die die Schwulen in Clubs und Saunen treibt, das eben ist die schizophrene Subkultur.â Viele hatten auch nur kurze Sexerlebnisse, etwa auf den Klappen, und versteckten sich tagsĂŒber. Und so kommt es auch am Ende des Films zu folgender zentralen Forderung:
âWir mĂŒssen uns organisieren. Wir brauchen bessere Kneipen, wir brauchen gute Ărzte, und wir brauchen Schutz am Arbeitsplatz. Werdet stolz auf eure HomosexualitĂ€t! Raus aus den Toiletten! Rein in die StraĂen! Freiheit fĂŒr die Schwulen!â
Mehrere AuffĂŒhrungen fĂŒhrten zu Diskussionen sowie GrĂŒndungen von ZusammenschlĂŒssen und Vereinen, wie etwa der Homosexuellen Aktion Westberlin, aus der heraus im Laufe der Zeit weitere Berliner Vereine entstanden sind. So nahm in Deutschland die zweite, wieder radikalere Welle der Schwulen- und spĂ€ter auch Lesbenbewegung ihren Anfang, welche Anfangs stark von der extremen Linken beeinflusst war. Es zeigten sich verschiedene ideelle EinflĂŒsse der 68er-Bewegung, manche sahen die einzige Lösung in einer kompletten und oft sehr radikal gesehenen Sexuellen Revolution fĂŒr die gesamte Gesellschaft. Andere ĂŒbertrieben (nicht bei der ersten Demonstration) stolz, provokant und frech âall die fĂŒrchterlichsten Vorurteile der SpieĂer ĂŒber Schwuleâ und zeigten sich grell im Fummel. Die neue Schwulenbewegung verdrĂ€ngte relativ rasch die auf UnauffĂ€lligkeit und Anpassung bedachte Homophilenbewegung. Es gab auch keine wesentlichen wissensweitergebenden Verbindungen und durch die bis in die 1960er fortwirkende ZĂ€sur des Nationalsozialismus war die neue Bewegung anfangs quasi eine geschichtslose Bewegung. Viele wussten nicht, dass es vor 1933 schon eine Homosexuellen-Bewegung gab, ja manchmal nicht einmal, dass es unter den Nationalsozialisten starke Hetze gegen Homosexuelle gegeben hatte. Neue Veröffentlichungen zur deutschen Homosexuellen-Geschichte vor 1933 kamen erst ab 1975 aus den USA.cite-ref-micheler-47-0[31] Ăfters gab es zwischen der studentischen Schwulenbewegung und der Homophilenbewegung starke AnimositĂ€ten.cite-ref-48[32] Aber auch unter den neuen bewegten Schwulen kam es zu Differenzen, welche zwischen 1973 und 1974 im Tuntenstreit gipfelten. Der radikale Tenor in Sprache der Linken war nach Praunheims Film:
âWir schwulen SĂ€ue wollen endlich Menschen werden und wie Menschen behandelt werden. Und wir mĂŒssen selbst darum kĂ€mpfen. Wir wollen nicht nur toleriert, wir wollen akzeptiert werden.â
Die ehemaligen Schimpfwörter schwul und warm, ab Mitte der 1970er Jahrecite-ref-peters5-49-0[33]cite-ref-50[34] auch lesbisch, wurden zu den neuen Identifikationsbegriffen und schwule IdentitĂ€t konnte sich spĂ€testens in den achtziger Jahren als hegemoniale Vorstellung unangefochten durchsetzen.cite-ref-micheler-47-1[31] Die erste Demonstration Deutschlands fand am 29. April 1972 in MĂŒnster stattcite-ref-51[35]cite-ref-konstanz-52-0[36] und die ersten Demonstrationen zum Christopher Street Day am 30. Juni 1979 in Bremen, Berlin, Köln und Stuttgart unter dem Motto âGay Prideâ.cite-ref-53[37]cite-ref-54[38]cite-ref-55[39] In der Schweiz fand der erste Christopher-Street-Liberation-Memorial Day am 24. Juni 1978 in ZĂŒrich statt.cite-ref-konstanz-52-1[36] In Paris fand der erste Gay Pride im Jahr 1981 statt.
In Ăsterreich fiel das Totalverbot 1971, wurde aber durch vier Paragraphen ersetzt, welche unter anderem ein Werbeverbot und quasi ein Vereinsverbot enthielten. Die 1979 gegrĂŒndete â und dank pragmatischer Auslegung des Innenministeriums nicht untersagte â HOSI Wien begann am 26. April 1980 bei antifaschistischen Demonstrationen, sowie auf Einladung einer SPĂ-Bezirksgruppe im selben Jahr beim 1. Mai mitzumarschieren. Am 27. Juni 1981 gab es einen ersten Infostand in der Opernpassage, um an den Stonewallaufstand zu erinnern. Durch leere Versprechungen der Politiker und die Praxis der Zeitungen von Homosexuellen nur dann zu berichten, wenn sie ermordet wurden oder in KriminalfĂ€lle verwickelt waren, griff man auch in Wien zur Provokation, um einmal ein Medienereignis der anderen Art zu initiieren und befand sich damit in der Tradition verschiedener Aktionen der 1968er und der Flitzer der 1970er. Zwei MĂ€nner vom losen Zusammenschluss Rosa Wirbel stĂŒrmten beim Neujahrskonzert 1982 nackt auf die BĂŒhne und hielt das Transparent âMenschenrechte fĂŒr Schwuleâ hoch. Die Fernsehzuschauer bekamen nichts mit, da gerade eine Balletteinspielung gezeigt wurde, aber die Tageszeitungen berichteten auf der Titelseite. Die HOSI Wien war informiert, distanzierte sich aber â vor allem wegen des Werbe- und Vereinsverbots und weil man vermutete ein Gutteil der Mitglieder werde die Aktion nicht mittragen â in einer Presseaussendung. Im Februar konnte man kurzzeitig am Wiener Opernball die Transparente âMenschenrechte fĂŒr alleâ und âArsch im Mund â Kein krummer Hundâ aufspannen und Flugzettel verteilen. Im selben Jahr wurden in der Stadt Plakate mit dem Titel âSchwul â na und?â aufgehĂ€ngt, auf denen man berĂŒhmten Personen positive Aussagen ĂŒber HomosexualitĂ€t in den Mund legte.cite-ref-56[40] Die HOSI veranstaltete am 26. Juni 1982 ein Gay-Pride-Fest im Amerlinghaus und einen Fackelzug zum Maria-Theresia-Denkmal, der in den Jahren darauf wiederholt wurde. (Kaiserin Maria Theresia schuf mit der Constitutio Criminalis Theresiana das erste einheitliche Strafgesetzbuch Ăsterreichs, das aber auch die Todesstrafe fĂŒr Homosexuelle enthielt.) Im Jahr 1984 gab es dann vom 17. bis zum 29. Juni eine Warme Woche mit der ersten Wiener Gay-Pride-Demo durch die Innenstadt.cite-ref-57[41] Es folgten in den Jahren darauf weitere, in der Relation zu heute, kleine Demonstrationen, wobei dem Hochzeitsumzug vom Juni 1989, zum zehnjĂ€hrigen JubilĂ€um der HOSI und nach Beschluss gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in DĂ€nemark, mit abschlieĂender Show-âTrauungâ zweier Paare, besondere mediale Aufmerksamkeit zuteilwurde.cite-ref-58[42] Seit 1996 findet jĂ€hrlich die Regenbogenparade statt.
VerÀnderungen, Situation heute
In den 1980ern fand in den USA eine bedeutende kulturelle VerĂ€nderung bei den GedenkmĂ€rschen statt. ZusĂ€tzlich gibt es in den USA â im Vergleich zum deutschsprachigen Raum â eine weitreichendere und vielfĂ€ltigere Paradentradition zu allen möglichen Themen, wie beispielsweise die Puerto Rican Day Parade oder die irischstĂ€mmige Saint Patrickâs Day Parade. Die frĂŒher relativ lose organisierten MĂ€rsche und Paraden wurden immer mehr von organisierteren und weniger radikalen Mitgliedern der Gay Community veranstaltet. Die MĂ€rsche begannen unter dem Druck konservativerer KrĂ€fte in der schwul-lesbischen Gemeinschaft die Begriffe âLiberationâ und âFreedomâ aus ihren Namen zu entfernen und mit der Philosophie des âGay Prideâ zu ersetzen. In der liberaleren Stadt San Francisco wurde der Name der Parade und des Festes erst 1994 in Gay Pride Day Parade geĂ€ndert.
In der Bewegung haben im Endeffekt jene Organisationen ĂŒberlebt, die auf einen pragmatischen Kurs schwenkten, denen zahnloser Kampf und bedingungslose Anpassung der Homophilenbewegung ebenso fernstand wie utopischer Radikalismus der ersten Gruppen Anfang der 1970er.cite-ref-59[43] Heute werden weltweit Ă€hnliche Veranstaltungen als Demonstration gegen Diskriminierung und oft auch als Feiern fĂŒr das Erreichte abgehalten. Man zeigt selbstbewusst, dass man existiert. Je nach gesellschaftlicher Lage verkleiden sich einige farbenfroh und feiern ausgelassen, was auch viele heterosexuelle Zuschauer und die Medienaufmerksamkeit anzieht und hilft die gesellschaftlichen und politischen Anliegen zu verbreiten. Durch die oftmalige Konzentration der Bildauswahl auf Drag-Queens und vollbusige Lesben entsteht in den Medien aber auch ein verzerrtes Bild von der Parade und Schwulen, Lesben und Bisexuellen allgemein.cite-ref-60[44] Dass vor allem die anonyme Menschenmenge, Verkleidete und sich âextra in Szeneâ setzende Personen abgelichtet werden, hat auch einen rechtlichen Grund: Im Jahr 2002 wurde auf dem CSD in WĂŒrzburg ein Mann, der sich bei seinen Eltern und im beruflichen Umfeld nicht geoutet hatte, in inniger Umarmung mit einem anderen abgelichtet. Das Bild wurde zwei Jahre spĂ€ter als Symbolfoto veröffentlicht; weil die Zeitung damit das Recht am eigenen Bild verletzt hatte, verurteilte das MĂŒnchner Landgericht sie zu 5200 Euro Schadenersatz. Das Gericht fĂŒhrte noch aus, dass das Bild allerhöchstens in zeitlicher NĂ€he zur Veranstaltung hĂ€tte veröffentlicht werden dĂŒrfen, doch selbst dann hĂ€tte man den sich nicht auffĂ€llig verhaltenden KlĂ€ger nicht in GroĂaufnahme aus der anonymen Menge herausholen dĂŒrfen.cite-ref-61[45]
Besondere Prides
Die Gay Pride Istanbul (İstanbul Onur YĂŒrĂŒyĂŒsĂŒ) ist mit 100.000 Teilnehmern der gröĂte schwule Marsch des Stolzes in ganz Osteuropa.
March on Washington
Wie auch bei anderen BĂŒrgerrechtsbewegungen (z. B. beim âMarch on Washington for Jobs and Freedomâ, âMarsch auf Washington fĂŒr Arbeit und Freiheitâ vom August 1963) findet bei gegebenen Anlass ein Marsch auf die Bundeshauptstadt Washington statt, an dem Personen aus dem ganzen Land teilnehmen.
âą Am 14. Oktober 1979 fand die erste National March on Washington for Lesbian and Gay Rights mit ĂŒber 100.000 Teilnehmern statt. Es waren zehn Jahre seit Stonewall vergangen, man protestierte gegen den antihomosexuellen Kreuzzug von Anita Bryant und prangerte die milde Bestrafung von Dan White fĂŒr die im Jahr davor stattgefundene Ermordung des ersten offen schwulen Politikers Harvey Milk an.cite-ref-glbtqpride-62-0[46]
âą Ăber 500.000 Menschen kamen am 11. Oktober 1987 zum Second National March on Washington for Lesbian and Gay Rights in die Hauptstadt. Man demonstrierte gegen das Höchstgerichtliche Urteil Bowers v. Hardwick aus dem Vorjahr, welches die RechtmĂ€Ăigkeit der âSodomiegesetzeâ bestĂ€tigte und kritisierte die Regierung fĂŒr ihre UntĂ€tigkeit im Kampf gegen Aids. Bei dieser Veranstaltung wurde auch erstmals der NAMES Project AIDS Memorial Quilt gezeigt.cite-ref-glbtqpride-62-1[46]
âą FĂŒr den March on Washington for Lesbian, Gay and Bi Equal Rights and Liberation am 25. April 1993 schĂ€tzten die Veranstalter knapp 1 Million Teilnehmer. Der Umgang mit Aids blieb ein Thema. AuĂerdem protestierte man gegen den Ausschluss Homosexueller aus dem MilitĂ€r, was im selben Jahr durch die Devise Donât ask, donât tell ersetzt wurde, gegen Gesetze, welche die Rechte von LGBT-Menschen nicht schĂŒtzten, und einige andere Dinge. Ăber das gesamte Wochenende hinweg fanden ĂŒber 300 Veranstaltungen statt inklusive einer Kerzenwache beim United States Holocaust Memorial Museum, einem Marsch zum Nationalfriedhof Arlington als Ehrung der schwulen, lesbischen und bisexuellen Veteranen, einer Massen-Hochzeit-Demonstration, um die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare zu fördern, einem âDyke Marchâ (Lesbenmarsch) und verschiedene soziale Veranstaltungen.cite-ref-glbtqpride-62-2[46]
âą Im Jahr 2000 fand am 30. April der Millennium March on Washington statt. Die SchĂ€tzung der Teilnehmer schwankt zwischen 200.000 und einer Million. Es wurde fĂŒr ein Ende von Hate crimes demonstriert, wobei auch die Eltern von Matthew Shepard, einem Opfer homophober Gewalt und Verwandte von James Byrd Jr., einem afroamerikanischen Opfer rassistischer Gewalt, anwesend waren. Weiters wurde fĂŒr die Rechte von gleichgeschlechtlichen Paaren und Eltern demonstriert sowie fĂŒr die Verabschiedung eines nationalen Nicht-Diskriminierungsgesetzes fĂŒr Arbeitnehmer.cite-ref-glbtqpride-62-3[46] Es sprachen viele berĂŒhmte Persönlichkeiten und es gab auch eine Video-GruĂbotschaft von PrĂ€sident Clinton.cite-ref-63[47] Im Robert F. Kennedy Memorial Stadium fand unter dem Titel Equality Rocks ein durch die Human Rights Campaign veranstaltetes Konzert statt, bei dem unter anderem Melissa Etheridge, George Michael, Pet Shop Boys, Garth Brooks, und k.d. lang auftraten.
âą 30 Jahre nach dem ersten National March on Washington for Lesbian and Gay Rights fand am 11. Oktober 2009 der National Equality March statt, an dem 150.000 Menschen teilnahmen. Er stand unter dem Motto: âGleicher Schutz in allen Bereichen des Zivilrechts in allen 50 Staaten.â GroĂe Themen waren die geforderte Aufhebung der âDonât ask, donât tellâ (etwa âFrage und erzĂ€hle nichtâ)-Regelung beim MilitĂ€r, die Ăffnung der Ehe in allen Bundesstaaten und die Aufhebung des Verbots der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschafts-Rechtsinstitute. Als prominente UnterstĂŒtzer kamen etwa die Schauspielerin Cynthia Nixon, die SĂ€ngerin Lady Gaga, die Mutter von Matthew Shepard Judy Shepard sowie der Sprecher der National Association for the Advancement of Colored People Julian Bond. Erstmals war der Marsch nicht von groĂen Gruppen organisiert, sondern von Basisorganisationen aus allen Bundesstaaten.cite-ref-64[48] Ein Sprachrohr des 60-köpfigen PrĂ€sidiums des neuen Netzwerkes Equality Across America war Cleve Jones.cite-ref-65[49]
Cologne Pride
Der Cologne Pride ist der gröĂte Pride in Deutschland. Ein zweiwöchiges LGBTQI Festival mit ĂŒber 82 queerpolitischen Veranstaltungen und dem CSD Wochenende (FrâSa.) am ersten Wochenende im Juli, gekrönt von der CSD Demo 2018 mit ĂŒber 177 teilnehmenden Gruppen und 1,2 Millionen Besuchern.
Amsterdam Gay Pride
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Hauptartikel
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Amsterdam Gay Pride
Seit 1996 gibt es die Gay Pride in Amsterdam, eine Canal Parade, welche in der Prinsengracht und Amstel stattfindet, jÀhrlich am ersten Samstag im August. 2008 wurde die Amsterdam Gay Pride zur besten Gay Pride in Europa ausgerufen.cite-ref-66[50]
Europride
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Hauptartikel
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Europride
Seit dem Jahre 1992 vergibt die EPOA (European Pride Organizerâs Association, âVerband europĂ€ischer CSD-Organisationenâ) jeweils an eine Stadt den Titel Europride. Dieser CSD wird gröĂer angelegt, und es gibt ein breiteres Rahmenprogramm, um internationale Beachtung zu erreichen. Vor allem west- und nordeuropĂ€ische StĂ€dte sind bisher Veranstaltungsorte gewesen, aber auch Riga und Warschau.
World Pride
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Hauptartikel
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InterPride#WorldPride
Der Titel World Pride wird in unregelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden von der Organisation InterPride, einem internationalen Zusammenschluss von Pride-Veranstaltern, in Lizenz an eine Veranstaltung vergeben.cite-ref-67[51]
⹠2012: London, Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
âą 2019: New York City, Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
âą 2023: Sydney, Australien Australien
âą 2025: Amsterdam, Niederlande Niederlande (geplant)
âą 2026: Kapstadt, Sudafrika SĂŒdafrika (geplant)
Debatte
Innerhalb der Gay-Community weisen manche den Gedanken von Gay Pride zurĂŒck, da sie darin eine ĂŒbertriebene Betonung der sexuellen Orientierung sehen. Die daraus resultierende IdentitĂ€tssicht und IdentitĂ€tspolitik wird, nach dem RĂŒckgang der Stigmatisierung, als ĂŒberflĂŒssig betrachtet. Ebenso gibt es einen Diskurs darĂŒber, ob der Begriff des Stolzes passend ist. Die hĂ€ufigste Kritik betrifft die Art und Weise der Paraden, welche manche als Mangel an Diskretion zum Nachteil der öffentlichen Moral empfinden und, wegen ihrer Angreifbarkeit, als nachteilig zur Durchsetzung der Homosexuellenrechte ansehen. Sie schlagen vor, den âgrellen Aktivismusâ abzuschwĂ€chen, um eine bessere Integration in den Mainstream zu erreichen.cite-ref-68[52]
Der Politikwissenschaftler Christopher Pepin-Neff hĂ€lt LGBT-Pride fĂŒr unangemessen, solange die zahlreichen Schwierigkeiten, mit denen queere Menschen insbesondere aus marginalisierten Gruppen konfrontiert sind, nicht tatsĂ€chlich behoben werden, darunter zĂ€hlt er eine hohe Suizidrate, Obdachlosigkeit, Tötungen, Diskriminierung und Mobbing. Er stellte 2021 fest, dass trotz der zahlreichen Pride-Events in den Vereinigten Staaten, bei denen insgesamt ĂŒber 12 Mio. Menschen anwesend waren, keinerlei bundesweite gesetzliche Ănderungen, bloĂ ein paar wenige Gesetze auf Staatenebene, und keine zusĂ€tzliche Finanzierung fĂŒr LGBT-Organisationen bewirkt wurden. Die LGBT-Pride sei mittlerweile von Unternehmen vereinnahmt worden, die in Produkten und Marketing LGBT-UnterstĂŒtzung zu einem Konsumgut verarbeiten (rainbow capitalism), das sich vor allem an die konsumerstarke weiĂe Mittelklasse richte. Dadurch gerieten die deutlich stĂ€rker von Diskriminierung betroffenen aber weniger konsumstarken Gruppen aus dem Fokus. Die LGBT-UnterstĂŒtzung sollte sich seiner Meinung nach aber stĂ€rker auf diese marginalisierten Randgruppen fokussieren, diejenigen aus der LGBT-Community, die in Armut und unsicheren VerhĂ€ltnissen leben oder etwa People of Color, die in besonderer Weise von Diskriminierungen betroffen seien.cite-ref-69[53]
Königin SofĂa von Spanien kritisierte in einem Interview im Oktober 2008 anlĂ€sslich ihres 70. Geburtstages Gay-Pride-Paraden und die gleichgeschlechtliche Ehe. âIch kann verstehen, akzeptieren und respektieren, dass es Menschen mit anderen sexuellen Tendenzen gibt, aber warum sollten sie stolz sein gay zu sein? Sollen sie auf Paradenwagen fahren und laut protestieren? Wenn alle von uns, welche nicht gay sind, auf der StraĂe demonstrieren wĂŒrden ... wĂŒrde der Verkehr in jeder Stadt stillstehen.âcite-ref-70[54]
Daneben gibt es Stimmen, die die allgemeine Notwendigkeit solcher Bewegungen anzweifeln. Es gebe ja schon Gleichheit, man fordere ja auch keinen Heterotag und Heterorechte.cite-ref-hakperin-71-0[55] Diese Aussagen sind nicht neu. Schon 1978 â als im Vereinigten Königreich das Totalverbot schon gefallen war, aber noch eine spezielle Schutzaltersgrenze von 21 Jahren galt â sang Tom Robinson in seinem von vermeintlichen WidersprĂŒchlichkeiten geprĂ€gten Lied Glad to be gay:
Put down the queens and tell anti-queer jokes
Gay Lib's ridiculous, join their laughter
âThe buggers are legal now,
what more are they after?â
Sing if you're glad to be gay.
Sing if you're happy this way.
Schwulenbefreiung ist lÀcherlich, stimm in die Lacher ein
âDie Arschficker sind jetzt legal,
was wollen sie mehr?â
Sing, wenn du froh bist, schwul zu sein.
Sing, wenn du auf diese Art glĂŒcklich bist.
Einerseits stellt sich die Frage, welche Rechte die normative Mehrheit fordern sollte und welchen Tag sie feiern sollte. Andererseits kann man damals und auch heute zwar Sex haben, aber es gab und gibt noch immer Diskriminierung in Politik, Medien, privat und am Arbeitsplatz, auch Spott und antihomosexuelle Gewalt. Gerd Wolter meinte 2005, diese Auftritte seien daher weiterhin nötig.cite-ref-72[56] In der Schweiz gibt es inzwischen ein recht weitgehendes Partnerschaftsgesetz. In Deutschland ein Lebenspartnerschaftsgesetz, welches anfangs fast nur Pflichten brachte und keine Rechte. Die wurden StĂŒck fĂŒr StĂŒck eingefordert, des Ăfteren vor Gericht erstritten. In Ăsterreich gibt seit 2010 das Eingetragene Partnerschaft-Gesetz, bei dem durch die EP etwa aus dem Familiennamen ein Nachname wird, da keine Familie im Gesetzestext vorkommen darf. Aber Partnerschaftsrechte sind nicht der Gipfel der GlĂŒckseligkeit. So gibt es in Tschechien zwar schon seit 1. Juli 2006 eingetragene Partnerschaften, aber die erste Queer-Parade im Jahre 2008 unter dem Titel DuhovĂĄ vlna Brno (âRegenbogenwelle BrĂŒnnâ) wurde mit TrĂ€nengas angegriffen.cite-ref-73[57]
Gegenproteste
In Riga konnte 2005 der erste Riga Pride mit 50 Teilnehmern nach gerichtlicher KlĂ€rung unter umfangreichen Polizeischutz stattfinden. Die Teilnehmer wurden von Gegendemonstranten mit Eiern und Tomaten beworfen, und in der Kathedrale fand ein Gottesdienst statt, der dem âSchutz traditioneller Familienwerteâ gewidmet war.cite-ref-74[58] 2006 wurde die Parade wegen Sicherheitsbedenken verboten und nur eine Konferenz, die Filmtage und eine Messe in einer anglikanischen Kirche abgehalten. Letztere wurde von Demonstranten belagert und Herauskommende mit Verbalattacken, Handgreiflichkeiten und FĂ€kalien attackiert. Ausreichend Polizisten zum Schutz der Messbesucher tauchten erst spĂ€t auf, und die Teilnehmer mussten unter deren Schutz ĂŒber einen Seiteneingang hinausgebracht werden. Ein FĂŒhrer einer rechten Gruppe sagte: âHomosexuelle sind schmutzige SĂŒnder. Sie sind unmoralische Leute, die keinen Platz in der normalen Gesellschaft haben. Wir mĂŒssen sie jetzt aufhalten. Wir können nicht warten, bis sie verlangen, heiraten zu dĂŒrfen, oder sogar Kinder adoptieren wollen.âcite-ref-75[59] Eine Ersatzveranstaltung zur Parade in einem Hotel, an der etwa 250 Leute teilnahmen, wurde ebenfalls von Protestierenden auĂerhalb und teilweise auch innerhalb belagert. Protestierende, welche T-Shirts mit der Aufschrift âVerteidigung der Eheâ trugen, entwendeten Regenbogenfahnen, zerrissen diese und trampelten darauf herum. Einen Tag spĂ€ter meinte ein lutherischer Geistlicher gegenĂŒber einem Teilnehmer, dass er zwar Gewalt nicht befĂŒrworte, aber dass der Teilnehmer ein SĂŒnder sei und der Geistliche nur fĂŒr ihn beten könne.cite-ref-76[60]
Ende desselben Jahres sagte der Vorsitzende des Ausschusses fĂŒr Menschenrechte in Lettland, dass Schwule und Lesben keine Minderheit seien, da sie sich auch dafĂŒr entscheiden könnten, heterosexuell zu sein. Sie sollten âaufhören zu sĂŒndigenâ und eine ânormale sexuelle Orientierungâ entwickeln. HomosexualitĂ€t sei eine Folge menschlicher ZĂŒgellosigkeit, die den Menschen das ewige Leben kosten könne.cite-ref-77[61] Der römisch-katholische Kardinal JÄnis Pujats bezeichnet HomosexualitĂ€t als Perversion und Sucht, als âvöllige Entgleisung im Feld der SexualitĂ€tâ und als âunnatĂŒrliche Form der Prostitutionâ, deren Verbreitung durch mangelnden Glauben und sittliche Abstumpfung TĂŒr und Tor offenstĂŒnden. Er Ă€uĂerte auch die BefĂŒrchtung, dass eine kleine Gruppe von Homosexuellen durch AbhĂ€ngigkeit ihrer Untergebenen leicht ihr angestrebtes Ziel erreichen könnten, und vergleicht es mit dem System zu Zeiten der UdSSR. Die Perversion dĂŒrfe nicht in der Ăffentlichkeit geduldet werden, damit sie nicht die ganze Gesellschaft mit ihrem âschlechten Beispielâ anstecke. Homosexuell Empfindende mĂŒssten zur Disziplin gerufen und behandelt werden und hĂ€tten kein Recht auf Legalisierung und Schutz durch die Menschenrechte. 2007 rief der Kardinal zu massiven Gegenprotesten auf, und 2008 wies er jede Verantwortung fĂŒr mögliche Gewalttaten von sich, dafĂŒr sei die Polizei zustĂ€ndig.cite-ref-grinsteins200803-78-0[62]cite-ref-queer200705-79-0[63]
In Jerusalem finden Gay Prides seit 2002 statt, es gab dabei vereinzelte Proteste orthodoxer Juden. 2005 sollte der World Pride in Jerusalem abgehalten werden, was den Protest religiöser FĂŒhrer und Politiker in Jerusalem, Rom und den USA weckte, der die Situation stark aufheizte. Es kam zu einer auĂergewöhnlichen gemeinsamen Pressekonferenz von katholischen, jĂŒdischen und muslimischen FĂŒhrern, die feststellten, dass ein Gay Pride in dieser Stadt einen Affront gegenĂŒber den AnhĂ€ngern aller Religionen darstelle. ZusĂ€tzlich stellten sie bei Abhaltung des World Pride eine Zerstörung Jerusalems durch Gottes Zorn oder die eigenen GlĂ€ubigen in Aussicht. Der World Pride wurde wegen des RĂŒckzugs jĂŒdischer Siedler aus dem Gazastreifen zwar auf 2006 verschoben, aber die nationale Parade mit etwa 5000 Teilnehmern wurde von etwa 1000 strengglĂ€ubigen Demonstranten mit Buhrufen, Schimpfworten, WĂŒrfen mit UrintĂŒten, KottĂŒten und Steinen begleitet. Ein streng glĂ€ubiger Jude stĂŒrzte sich in die Menge und stach mit einem Messer um sich, wobei er drei Menschen verletzte. Bei seiner Verhandlung sagte er, dass er auf einer göttlichen Mission sei und die âabscheulicheâ Veranstaltung zu verhindern habe. Er wurde wegen versuchten Mordes zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Unter den zwölf verhafteten Gegendemonstranten hatte noch ein weiterer ein Messer bei sich.
Vor dem World Pride 2006 tauchten Flyer auf, auf denen ein Kopfgeld auf die Ermordung von Schwulen und Lesben ausgesetzt wurde. Vor der wegen des Kriegs wieder verschobenen Parade demonstrierten immer wieder ultra-orthodoxe Juden, randalierten dabei, setzten MĂŒlltonnen und ausrangierte Autos in Brand, bewarfen die Polizisten mit Steinen und blockierten StraĂen. Die gegen die Parade auftretenden konservativen GlĂ€ubigen wollten die Parade verbieten lassen, da die â wie die Richterin feststellte â von den KlĂ€gern reprĂ€sentierten Leute ein Blutbad anrichten könnten. Wegen zusĂ€tzlicher palĂ€stinensischer Terrorwarnungen fand die Demonstration mit 2500 Teilnehmern dann in einem abgeriegelten Stadion statt. Vor der kurzen Parade von 2007 mit etwa 2.500 Teilnehmern entdeckten Polizisten in der Tasche eines ultra-orthodoxen Juden einen Sprengsatz, den er wĂ€hrend der Parade zĂŒnden wollte, und nahmen ihn fest. In einem anderen Stadtteil brachten einige hundert Gegendemonstranten den Verkehr zum Erliegen und zĂŒndeten MĂŒlleimer an. Im Juni 2008 mit etwa 3.000 Teilnehmern normalisierte sich die Lage wieder, es gab nur wenige Probleme und Gegendemonstranten.
Seine empfundenen Rechte zu verteidigen, ist ebenfalls ein Teil von Gay Pride. Mit der Abstimmung ĂŒber Proposition 8 im November 2008 in Kalifornien sollte die gleichgeschlechtliche Heirat wieder verboten werden, da sie als unnatĂŒrlich, sĂŒndig und als eine Gefahr fĂŒr die Ehe zwischen Mann und Frau angesehen wurde. Es wurden Millionen-Dollar-BetrĂ€ge fĂŒr Werbekampagnen aufgewendet, mehr als je bei einer anderen Abstimmung in einem Bundesstaat. Viel kam dabei speziell von Mormonen, da die Kirche dazu aufgerufen hatte, die gröĂte Einzelspende kam von den Kolumbusrittern.cite-ref-80[64] Im Santa Clara County erhöhte sich nach Ansicht des stellvertretenden Bezirksstaatsanwalts Jay Boyarsky dadurch der Anteil der HasskriminalitĂ€t gegenĂŒber Schwulen und Lesben. Von 15 % (3 von 20 FĂ€llen) im Jahre 2007 wurden es 2008 56 % (14 von 25 FĂ€llen). Boyarsky liefert aus seiner langjĂ€hrigen Erfahrung folgende BegrĂŒndung: âDas Thema war in den Nachrichten und hat die Homo-Hasser gestĂ€rkt.â Ein Sprecher der UnterstĂŒtzer von Proposition 8 erklĂ€rte, dass er hoffe, die Abstimmung sei nicht der Grund fĂŒr mehr KriminalitĂ€t. Wenn aber doch, dann seien beide Seiten Opfer von Gewalt geworden,cite-ref-81[65] ohne jedoch FĂ€lle zu benennen.
stolzmonat Am 1. Juni 2023 startete die AfD in Zusammenarbeit mit dem rechtsextremencite-ref-82[66] Onlineaktivisten Shlomo Finkelstein eine Onlineaktion unter dem Titel Stolzmonat als Gegenreaktion auf den Pride Month. Dabei wird unter anderem die Deutschlandflagge in sieben Farben dargestellt, um die Regenbogenflagge zu imitieren, und dazu aufgerufen, LGBTQ-feindliche Inhalte zu verbreiten. Unter dem Begriff Nationalstolz sollte zudem ein Gegennarrativ etabliert werden.cite-ref-83[67]cite-ref-vsb2023-84-0[68] Mehrere Abgeordnete und Kommunalpolitiker der AfD sowie deren Umfeld verbreiteten die Aktion auf Plattformen wie Twitter. Auch Aktivisten der IdentitĂ€ren Bewegung sowie rechtsextreme Medien wie das Compact-Magazin machten dafĂŒr Werbung. Die Idee des so genannten âStolzmonatsâ geht auf die im Jahr 2017 gestartete Aktion des Patriotenmonats der österreichischen FPĂ zurĂŒck.cite-ref-85[69]cite-ref-86[70]cite-ref-vsb2023-84-1[68] Im Jahr 2025 sicherte sich der queere Webvideoproduzent Fabian Grischkat die Rechte an der Marke âStolzmonatâ beim EuropĂ€ischen Marken- und Patentamt. Ein Widerspruch gegen die Patentanmeldung wurde laut AfD-Politiker Sascha Schlösser bereits im MĂ€rz 2025 abgewiesen.cite-ref-87[71]
Siehe auch
Weblinks
Commons
: LGBT Pride
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą OutAtTheCenter: From Shadows to Sunlight: First Year Gay Activism After Stonewall â Video ĂŒber eine Veranstaltung mit Aktivisten aus den 1970ern
âą OutAtTheCenter: Lesbian & Gay Senior Lives Part 2 - The First March â Video mit ErzĂ€hlungen ĂŒber die erste Demonstration in New York 1970
âą Videos von Gay Pride Paraden rund um die Welt bei Youtube
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